Rettung vor der Müllflut

Die Müllflut, die Jahr für Jahr die Meere erreicht, müssen wir eindämmen, damit nicht eines Tages mehr Müll im Meer schwimmt als Fisch. Das Umweltprogramm der Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) sieht darin ebenfalls eine große gesellschaftliche und globale Aufgabe. Zwar seien heute noch nicht alle Zusammenhänge und Auswirkungen bis ins Detail erforscht, trotzdem dürfe nicht gewartet werden, das Problem anzupacken und entsprechende Lösungen zu entwickeln. Lösungen, die auf organisatorischer, staatlicher und auf technischer Ebene deutliche Verbesserungen bringen. (UNEP 2016)

Die Recyclat-Initiative von Werner & Mertz hat bereits 2012 begonnen, eine Lösung in einem Bereich voranzubringen: Echtes Recycling von PET und anderen Kunststoffen , um Rohstoffe zu schonen und die Müllmengen zu vermindern.

Was bringt wo am meisten?

Etwa ein Fünftel der Abfälle im Meer entsteht direkt auf dem Wasser: durch die Schifffahrt, die Fischerei, Fischfarmen und durch andere Nutzungen der Ozeane. Häufig sind es Transportverpackungen, alte, losgerissene Netze, Bojen und Schwimmkörper oder Ladung, die über Bord gegangen ist.

Der größte Teil – nämlich rund vier Fünftel der Müllfracht – stammt aus den Ländern, die Zugang zum Meer haben. Nicht immer werden die Meere absichtlich vermüllt: Badelatschen oder Sandspielzeug können am Strand verloren gehen, die Plastikabdeckung – vom Wind losgerissen – treibt Richtung Ozean, die Plastiktüte weht in den Straßengraben und spült durch Gräben und Flüsse bis ins Meer. All dies sind Beispiele für zufällige Ereignisse.

Der Hauptschaden entsteht jedoch durch Lücken im System, und zwar in den Sammelsystemen für Plastikabfälle und in dem unausgereiften System der weltweiten Plastik- und Kunststoffwirtschaft. Beispielsweise werden weltweit 95 Prozent aller Kunststoffverpackungen zu Abfall, nachdem sie ihren meist kurzfristigen Zweck erfüllt haben.

Die bestehenden Lücken der Müllsammlung und -verwertung zu schließen und die Kunststoffwirtschaft als Kreislauf neu zu organisieren, das sind die wichtigsten Lösungsansätze und zugleich größten Herausforderungen.

Sammelsysteme optimieren

Alle Länder mit einer eigenen Küste tragen zum weltweiten Problem des Meeresmülls bei. Doch China, Indonesien, die Philippinen, Vietnam und Thailand sind die Länder, aus denen mehr als die Hälfte der 6 bis 8 Millionen Tonnen Plastikabfälle stammen, die jedes Jahr in die Ozeane gelangen.

Um die Müllflut einzudämmen, ist es daher besonders wirkungsvoll, gerade hier anzusetzen: Das bedeutet in erster Linie, in diesen Ländern die großen Lücken in der Abwasserbehandlung, in der Müllsammlung und Verwertung zu schließen. Die Weltmeere könnten um etwa die Hälfte des jährlichen Mülleintrags entlastet werden, würde sich in diesen Ländern die Sammlung und Verwertung von Plastikmüll deutlich verbessern.

Design for Recycling

Die Abfallsammlung besser zu organisieren, Lücken in den Systemen zu schließen, die Verwertung umweltgerechter zu gestalten, das sind notwendige Schritte in vielen Ländern der Erde. Doch sie setzen am Ende des Problems an, nämlich dort, wo Kunststoffprodukte und Plastikverpackungen bereits ihren Zweck erfüllt haben. Auf Dauer ist es wirkungsvoller, am Anfang anzusetzen: dort, wo Produkte und Verpackungen entworfen werden, wo entschieden wird, welches Material in welchen Mengen benutzt wird. Dort, wo man sich Gedanken macht, ob nur eine Kunststoffsorte verwendet wird oder ein Mix aus unterschiedlichsten untrennbar verbundenden Materialien. All diese Überlegungen, die als Produktdesign bezeichnet werden, entscheiden mit darüber, wie gut sich am Ende ein benutztes Produkt, eine Verpackung nicht wegwerfen, sondern wiederverwerten lässt. Recycling nennt sich dieses Prinzip der Wiederverwertung, das wir bestens aus der Natur kennen: Beispielsweise gelangen in den Wäldern mit dem Herbstlaub die Nährstoffe aus den Blättern zurück in den Boden und geben Kraft fürs frische Grün im Frühjahr – ein dauerhafter Kreislauf.

Kreislaufwirtschaft bringt Müllvermeidung in Schwung

Wiederverwertung im Rahmen einer Kreislaufwirtschaft ist das Prinzip, nach dem die Kunststoffindustrie weltweit organisiert werden muss, um die Meere vom Müll zu entlasten. Wir für Recyclat zeigt am Beispiel von PET-Flaschen, HDPE-Verpackungen, PP-Verschlüssen und anderem mehr, wie so eine Kreislaufwirtschaft funktioniert. Beim werkstofflichen Recycling wird aus einer PET-Flasche wieder eine PET-Flasche, aus HDPE-Material wieder eine HDPE-Verpackung und aus PP-Recyclat ein PP-Verschluss. Ohne neue Rohstoffe für die Kunststoffe hinzuzugeben, kann dieser Kreislauf mit geringem Energieaufwand über lange Zeit in Schwung gehalten werden. Plastikmüll, der werkstofflich wiederverwertet wird, landet nicht als Abfall auf weltweiten Deponien oder gar  in den Weltmeeren.

PREVENT Abfall Allianz

Die PREVENT Abfall Allianz ist ein Zusammenschluss von Organisationen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und staatlichen Institutionen. Sie wurde im Mai 2019 von Minister Dr. Gerd Müller in Berlin lanciert und dient als Plattform für Austausch und internationale Kooperationen .

Die PREVENT Abfall Allianz soll dazu beitragen, dass Abfälle weltweit minimiert, Schadstoffe eliminiert und Ressourcen im Kreislauf geführt werden. Gemeinsam setzen sich die Akteure für Vermeidung, Sammlung, Recycling und den Einsatz von Sekundärrohstoffen in Entwicklungs- und Schwellenländern ein. Konkrete Guidelines werden in den vier Arbeitsgruppen erarbeitet, hier stehen die Themen Ressourcen schonen, Kreisläufe für Verpackungen schliessen sowie die Rahmenbedingungen vor allem in Schwellenländern verbessern.

Positiver Effekt mit umweltfreundlichen Nebenwirkungen

Zusätzlich zur Müllvermeidung hat die Kreislaufwirtschaft positive Nebenwirkungen. Plastik wird im Rahmen einer solchen Wirtschaft nicht nur als ideales Material für alle möglichen Zwecke im Alltag gesehen, sondern auch als ein Wertstoff, aus dem neues Plastik gewonnen werden kann. Wussten Sie, dass in den meisten Kunststoffen Erdöl der wichtigste Bestandteil ist? Als Rohstoff viel zu kostbar, um ihn wegzuwerfen oder im Meer zu versenken. Zudem schont Kreislaufwirtschaft das Klima: Denn die Herstellung, der Transport und die Verarbeitung von Recyclat verbrauchen weniger Energie, als wenn neues Rohmaterial verwendet wird.

Recyclat-Initiative zeigt: Es geht!

Wir für Recyclat setzt sich mit der Recyclat-Initiative von Werner & Mertz für ein echtes Recycling ein. Das kann nur gelingen, wenn auch Verpackungen aus dem Gelben Sack in einen geschlossenen technischen Verwertungskreislauf gebracht werden. Die Erfolge beim Recycling von PET, HDPE und PP sind auf Weltrekordniveau, hunderte Millionen Flaschen aus PET-Recyclat und Verpackungseinheiten aus anderen Recyclatkunststoffen, die bereits in den Handel gelangt sind, zeigen: Es geht!

Reinhard Schneider Träger des Deutschen Umweltpreises 2019 und Gründer der Recyclat- Initiative gibt immer wichtige Impulse bspw. beim G 7 Gipfeltreffen in Berlin, beim Weltwirtschaftsforum in Davos, bei der „Circular Economy Stakeholders Conference“ in Brüssel und auf dem G 20 Workshop zur Ressourceneffizienz in Berlin. Was vielleicht am meisten überzeugt: Wir fordern oder mahnen nicht nur, wir zeigen, dass es geht! Und so, wie das Meer sich aus vielen einzelnen Flüssen speist, sind wir davon überzeugt: die gemeinsame globale Lösung ergibt sich aus vielen Projekten im Sinne der Recyclat-Initiative von Werner & Mertz.